Liebe Verantwortliche bei DHL,

 

10672038_10154615234490371_8651759120354354975_nich bin unzufrieden. Ich habe grundsätzlich Respekt vor der logistischen Leistung, die tagtäglich mehr oder weniger unter Beweis gestellt wird. Ich hatte lange Zeit auch einen sehr netten, mitdenkenden, gut organisierten Zusteller, und jetzt, nachdem die Auslieferung auf Ihre Tochterfirma „Delivery“ umgestellt wurde, sind dort auch nette Menschen im Einsatz (jedenfalls diejenigen, die ich zu Gesicht bekomme), die sich große Mühe geben und hart arbeiten.

Und trotzdem klappt vieles nicht. Da fahren Pakete tagelang im Lieferwagen mit, ohne dass es zu einem Zustellversuch kommt. Da wird behauptet, niemand sei angetroffen worden, obwohl man den ganzen Tag zu Hause war (und auf das Paket gewartet hat). Da kommt kein Abholschein, obwohl das Paket laut Online-Sendungsverfolgung irgendwo zugestellt wurde. Und so weiter.

Ich bin ja nicht die Einzige. Und leider richtet sich die schlechte Laune (bei einigen Menschen schlägt sie auch mal in Zorn um) gegen diejenigen, die mit den großen gelben Lieferwagen durch die Straßen fahren. Sie werden beschimpft und beleidigt, und manchmal, hörte ich, sogar körperlich angegriffen.

Natürlich gilt diese schlechte Laune, dieser Zorn in Wirklichkeit: Ihnen. Sie planen das doch. Sie machen doch die Verträge oder beauftragen Tochterunternehmen, bestimmte Verträge zu machen. Sie erlassen doch Richtlinien für die Zusteller. Jedenfalls: Sie haben sich dieses System doch überlegt. Es soll schnell gehen und zuverlässig sein, und dann soll es auch noch kein Geld kosten. Und damit es kein Geld kostet (oder wenig, natürlich), werden die Menschen in den gelben Lieferwagen nicht nur mäßig bezahlt, sondern erhalten offenbar auch noch Vorgaben, die kaum zu schaffen sind, sowie absurde Anweisungen. Ich kann nur wiedergeben, was mir erzählt wurde, und zusammengefasst scheint es so zu sein, dass die – ich wiederhole es: wirklich netten – Herren, die die Pakete am Ende der Bestellkette ausliefern, ein Pensum zu erfüllen haben, das kaum zu schaffen ist. Vielleicht ist es das an guten Tagen, aber dann darf wirklich nichts schiefgehen, nichts Außerplanmäßiges passieren, und ich vermute mal, dass fast jeden Tag irgendwas Außerplanmäßiges passiert, und wenn dem so ist, dann stimmt offenbar mit dem Plan etwas nicht, und dieser Plan sollte angeglichen werden. Von Ihnen.

Selbst wenn Sie irgendwo in Ihrem System eine Quote haben, die am Ende des Tages (oder Monats oder Geschäftsjahrs) zufriedenstellend erfüllt wurde – die Wirklichkeit da draußen auf der Straße sieht nun mal anders aus. Da schuften tagtäglich Menschen, um die strengen (unfairen? unmöglichen?) Vorgaben einzuhalten, haben – wie man aus der Presse immer wieder erfährt – eher bescheidene Arbeitsbedingungen, und müssen sich blöd anreden lassen, wenn was nicht klappt … Obwohl der Frust eigentlich Ihnen gilt.

Ich kann nicht wirklich böse auf einen Paketzusteller sein, wenn der nicht mehr bei mir klingelt, weil seine Schicht zu Ende ist und er keine Überstunden machen darf. Oder wenn irgendwas vergessen wird in dieser Megahektik. Oder wenn sonstwas mit einem Paket passiert. Diese Menschen geben sich Mühe, sie haben kaum eine andere Wahl.

Aber Sie haben eine Wahl. Sie könnten die Arbeitsbedingungen anders gestalten. Die Probleme, die DHL (wie alle Logistikunternehmen) als Konzern hat, nicht auf dem Rücken derer austragen, die sowieso schon Probleme haben, ihre Familien zu ernähren oder ihre Versicherungen zu bezahlen. Ohne diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten Sie nämlich gar nichts mehr. Seien Sie fair zu ihnen, das hilft in Wirklichkeit allen.

Doch, Sie können das tun.

Warum tun Sie es nicht?

(Und ja, ich fürchte, ich kenne die Antwort. Ich möchte nur, dass Sie sie mal laut aussprechen.)

 

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