Sexismus, jeden Tag

Mir scheint, es gibt da ein Missverständnis. Sexismus ist nicht dasselbe wie sexuelle Belästigung oder sexualisierte Gewalt. Diese Dinge sind Teil des Sexismusproblems, aber noch längst nicht alles. Sexismus ist eine auf das biologische Geschlecht (lat. sexus) einer Person abzielende Form der Diskriminierung, kurz zusammengefasst. Diese Diskriminierung äußert sich auch, aber nicht nur, durch sexuelle oder sexualisierte Handlungen oder Aussagen. Klar die rote Linie überschritten … Sexismus, jeden Tag weiterlesen

Schwarz, innen.

Ich kannte weder Chester Bennington noch Chris Cornell persönlich, aber dass sie nun tot sind, wie sie gestorben sind, macht mich extrem unglücklich. Ich kannte und mochte die frühen Texte von Linkin Park, diese brachialen, plakativen, als teenage angst belächelten Songs, die sie machten, bevor der große Hype sie in eine ganz andere Richtung führte und ich mir die Musik nicht mehr antun konnte. Ich … Schwarz, innen. weiterlesen

Unsichtbare Frauen über 40 mit Kleidergrößen über 40, oder: Warum wir unsere Gewohnheiten ändern müssen

Ursprünglich veröffentlicht auf Herland:
von Zoë Beck Natürlich ist es nichts Neues, was in der von Maria Furtwängler beauftragten Studie herausgekommen ist. Am Theater hatte ich vor zwanzig Jahren mit Schauspielerinnen zu tun, die genau das sagten: Gute Rollen gibt es nur für Männer, und ab dreißig wird’s für Frauen düster. Jetzt höre ich es seit über zehn Jahren von den Sprecherinnen im… Unsichtbare Frauen über 40 mit Kleidergrößen über 40, oder: Warum wir unsere Gewohnheiten ändern müssen weiterlesen

Die ganze Welt auf einem Spielplatz

Das Wetter kann sich noch nicht entscheiden zwischen Hagel, Kälte, Sonne, alle Jahreszeiten sind in der Woche dran, manchmal auch an einem Tag. Trotzdem dürften jetzt wieder alle Autos mit Sommerreifen ausgestattet sein. Die Bäume grünen zart, und es ist abends länger hell. Auf dem Mehrgenerationenspielplatz kämpfen ein paar Jungs aus Afghanistan und Syrien ausdauernd an der Tischtennisplatte. Sie verhauen fast jeden Ball und rennen … Die ganze Welt auf einem Spielplatz weiterlesen

Die eigene Stimme

Die BücherFrauen Berlin organisierten letztens einen Stimm-Coaching-Workshop. Eine kleine Gruppe, ausschließlich Frauen, fand sich für ein Wochenende zusammen und nahm – wie ich hoffe – Wissen, Anregungen und nachhaltige Übungen mit. Ich hatte zu diesem Workshop angeregt, weil ich am Weltfrauentag im letzten Jahr bei einer Veranstaltung der Speakerinnen viele interessante Frauen kennenlernen durfte. Auf der Bühne sowieso, aber auch abseits der Bühne. Diese Frauen … Die eigene Stimme weiterlesen

Wir sind mehr!

Der Kassierer im Supermarkt hat gute Laune. Er plaudert mit seinem Kollegen, scherzt mit der Kundschaft. Der elegant gekleidete Mann, der als nächstes dran ist, legt noch eine Plastiktüte zu seinen Einkäufen aufs Band. Er kommt mir vage bekannt vor, vielleicht aus dem Fernsehen. Der Kassierer zieht seine Sachen über den Scanner und fragt: „Sicher, dass Ihnen eine Tüte reicht?“ Er fragt es freundlich. Der Mann antwortet: „Du quatschst zu viel.“ Er verwendet noch eine Beleidigung, die sich auf das dunklere Äußere des Kassierers bezieht.

Der Kassierer kontert: „Das war nett gemeint, und Sie beleidigen mich?“ Und der Mann verkündet: „Weißt du eigentlich, wer ich bin?“ Der Kassierer reagiert großartig: „Mir egal, wer Sie sind. Ich war höflich. Sie nicht.“ „Wir sind mehr!“ weiterlesen

Ein ganz normaler Abend

Eine Konferenz in London, ich bin nur Zaungast, nur Zufall, vor allem aber eine Frau, die lesend und essend zwischen vielen Männern herumsitzt, und weil Frauen offenbar nicht alleine lesen und essen können (viele Männer sitzen alleine lesend und essend herum), befinde ich mich schon bald in Gesellschaft, um die ich nicht gebeten habe. Dave und Paul sind sales managers. Sie sind wichtig und verantwortlich … Ein ganz normaler Abend weiterlesen

Was mir Angst macht

Die Abstimmung zum Brexit hat wieder schön gezeigt, dass Gefühle wichtiger sind als Fakten, wenn es darum geht, in der Politik Wahlen zu gewinnen. Bei den Unterstützern, den Fans, den Wählern von Donald Trump, bei den republikanischen Politikern, die sich auf seine Seite schlagen, geht es ebenfalls nicht um Tatsachen, sondern darum, wie sich gerade etwas anfühlt. In Deutschland werden diejenigen, die dazu aufrufen, sich auf Fakten, Statistiken, Tatsachen zu konzentrieren und nicht in Panik zu geraten, beschimpft, sie seien weltfremd, würden die Opfer verhöhnen, seien verblendet. Zynisch gar. „Was mir Angst macht“ weiterlesen

Anderen sagen, wie sie sich fühlen sollen.

Alltag: Eine junge Frau, die in einem männlich dominierten Umfeld arbeitet, weist ihre Kollegen auf eine sexistische Äußerung hin. Die finden das nicht schlimm, sie haben ja nur einen „Frauen sind soundso“-Spruch gemacht, soll sie sich mal nicht so aufregen.

Sie postet es in ihrem Social Media-Umfeld, und auch da geschieht, was in solchen Fällen zuverlässig immer geschieht: Man sagt ihr sie möge sich bitte nicht so aufregen, sei doch alles ganz harmlos.

„Sei nicht so hysterisch.“

„Sieh doch nicht immer alles so verbissen.“

„Entspann dich mal, mit sowas tust du dir keinen Gefallen.“

Wir sind nicht mehr weit von „Lächel doch mal, dann bist du viel hübscher“.

Auch von Frauen kommt oft genug so etwas wie „Also MIR macht das ja nichts aus“ oder „ICH bin schlagfertig genug, um darauf zu reagieren“ oder „Mit Männern komm ich gut klar, und die auch mit mir“ oder oder.

Wunderbar für jede einzelne, die klarkommt. Herzlichen Glückwunsch. Aber es ist ein bisschen so, wie wenn jemand sagt: „Ich bin noch nie ausgeraubt worden, deshalb gibt es kein Problem mit Raub.“ Und nicht nur das – im Grunde wird der Frau gesagt, dass sie diejenige mit dem Problem ist. Sie will nicht akzeptieren, wenn andere beleidigend sind, also stimmt etwas nicht mit ihr. „Anderen sagen, wie sie sich fühlen sollen.“ weiterlesen

„Schwul? Und das sagen Sie so offen?“

Ich unterhielt mich gerade mit einer älteren Dame, sie fragte nach XY, wie geht’s ihm, hat er eine Freundin, ich sagte: Nein, er hat einen Freund. Und sie sackte in sich zusammen. Ich meine – so richtig körperlich. Sie ließ die Einkaufstaschen fallen und hielt sich am nächsten Zaun fest. Das sagen Sie so offen?, fragte sie. Es wurde ein langes Gespräch, wir standen da bestimmt eine Stunde. Ihr ältester Sohn ist nämlich schwul. Er ist um die fünfzig, lebt seit über zehn Jahren mit einem Mann zusammen, seine Familie weiß es erst seit ein paar Jahren, und noch immer fragen sich seine Eltern: Was haben wir denn falsch gemacht? „„Schwul? Und das sagen Sie so offen?““ weiterlesen