„Und wenn du einfach unter einem Männernamen schreibst?“

Gerade ging wieder durch die Presse, dass eine Frau ihr Manuskript unter männlichem Pseudonym einreichte und sehr viel positivere Rückmeldungen bekam als unter ihrem echten Namen/Geschlecht.

Seitdem schreiben mir erstaunlich viele Menschen, ob ich das denn selbst schon mal ausprobiert hätte. Oder ob ich das denn nicht mal machen möchte. Außerdem: Ein männliches Pseudonym würde doch viel besser zu meinen Büchern passen, nein?

Ich bekomme seit Jahren gesagt, ich würde zu „unweiblich“ schreiben. Zu kühl, zu sachlich, die Figuren seien nichts, womit sich Frauen identifizieren könnten. (Gesellschafts-)politische Hintergründe würden gerade das weibliche Lesepublikum überfordern bzw. abschrecken. Als Frau wolle man beim Lesen abschalten und sich nicht mit Problemen auseinandersetzen. Einige Männer, mit denen ich beruflich zu tun hatte, rieten mir zu „ansprechenderen“ Fotos, zu einem „weiblicheren“ Auftreten, einer „zugänglicheren“ Attitüde (ich sei “zu spröde für die Branche”), nicht zuletzt auch zu Themen, mit denen ich mich „besser auskenne“. Letzteres traf mich wirklich. Ich recherchiere genauso wie die männlichen Kollegen. Ich habe genauso meine Kontakte, meine Prüfinstanzen, ich gehe genauso Risiken bei den Recherchen ein. Aber ich als Frau habe offenbar trotzdem nicht den Zugang zu gewissen Themen. Weil ich mich qua Geschlecht damit nicht auskennen kann. „„Und wenn du einfach unter einem Männernamen schreibst?““ weiterlesen

Von unerwünschten Frauenfiguren im Literaturbetrieb: Die emanzipierte Muslimin. Ein Erfahrungsbericht von Safeta Obhodjas

Ursprünglich veröffentlicht auf CulturBooks:
Die bosnische Exilautorin Safeta Obhodjas stößt im deutschen Kulturbetrieb auf Vorurteile und Unverständnis. Sie soll die Geschichten über das, was sie erlebt hat, den Marktgepflogenheiten anpassen. Vor allem unerwünscht sind ihre selbstbestimmten muslimischen Frauenfiguren.  Bei CulturBooks ist der Roman „Die Bauchtänzerin“ von Safeta Obhodjas erschienen, die Geschichte der jungen, talentierten Schneiderin und Designerin Vildana. Sie ist eine Muslimin unter… Von unerwünschten Frauenfiguren im Literaturbetrieb: Die emanzipierte Muslimin. Ein Erfahrungsbericht von Safeta Obhodjas weiterlesen

Über-setzen.

Vordergründig mögen sich die Wogen wieder geglättet haben, die Thomas Wörtches Polemik gegen die Krimimimi und ihre Aussage, Übersetzer*innen seien, wie beispielsweise die Partner*innen von Autoren*innen, kaum wahrgenommene Geburtshelfer*innen der Werke und damit für die Leserschaft irrelevant, hervorrief. Natürlich tut Polemik weh, soll sie ja auch. Die unbedachte Äußerung bezüglich des Stellenwerts, den Übersetzer*innen haben, tut uns, die wir übersetzen, allerdings auch weh, und nicht erst seit Krimimimi meint, wir seien in der Wahrnehmung der Lesenden so wichtig wie die Haustiere der Autor*innen, weshalb niemand so etwas wie eine*n Lieblingsübersetzer*in habe. Was natürlich Quatsch ist. Als Harry Rowohlt starb, ließ sich das sehr schön besonders in den sozialen Medien nachlesen. Da ging es nicht nur darum, wie er Texte übersetzt und vorgetragen hat, sondern vor allem auch um die Vermittlung eines Irlandgefühls für viele. Aber nun, das war Harry Rowohlt, und ansonsten müssen die Übersetzer*innen wirklich immer sehr um ihre Wahrnehmung kämpfen. „Über-setzen.“ weiterlesen

Hinter „Schwarzblende“

(Geschrieben für Claudias Bücherregal) Vor zwei Jahren töteten zwei Männer in Südlondon den Soldaten Lee Rigby. Erst überfuhren sie ihn, dann hackten sie mit Messern auf ihn ein. Einer der Täter überquerte die Straße und gab einem Passanten eine Art Interview. Oder vielmehr, er sprach seine Rechtfertigung der Tat in dessen Handykamera. Er war sich bewusst, dass er gefilmt wurde. Er wollte gefilmt werden. Er … Hinter „Schwarzblende“ weiterlesen

Frauen und ihre Literatur.

(Artikel für: Publik Forum, Dezember 2014) Es ist erst wenige Jahrzehnte her, da hatte der Begriff Frauenliteratur den Klang von Gleichberechtigung und politischem Aktivismus. In dieser Zeit gab es in vielen Städten Frauenbuchhandlungen. Viele öffneten sich im Laufe der Zeit einem breiter interessierten Publikum, sehr viele mussten trotzdem schließen. Weil viele Buchhandlungen schließen mussten. Aber auch, weil etwas mit dem Begriff Frauenliteratur passiert war: Was … Frauen und ihre Literatur. weiterlesen

IS-Terror in zwei neuen Romanen

Ursprünglich veröffentlicht auf literaturblog günter keil:
Gute Romane sollten aktuelle Themen aufgreifen, zum Diskutieren anregen. Oder genau das Gegenteil: Uns in andere Welten transportieren. Islamistischer Terror ist unter den Neuerscheinungen natürlich ein großes Ding.  Zoë Beck orientiert sich in „Schwarzblene“ (Heyne) an einem wahren Mord. Lee Rigby, ein britischer Soldat, wurde 2013 in London von zwei Männern getötet. Bei Beck läuft es… IS-Terror in zwei neuen Romanen weiterlesen

Schwarzblende – „Die Realität hat mich überholt.“

Ab morgen (Montag) gibt es „Schwarzblende“ überall, aber Kommentare im Buch, die auch noch von mir oder anderen beantwortet werden, gibt es nur bei Sobooks. Die Sobooks-Redaktion stellte mir auch ein paar Fragen zum Text, hier zu finden als Miniinterview. „Die Realität hat mich natürlich überholt, und es wurde ein anderes Buch daraus. Als ich das Expose geschrieben hatte, gab es noch nicht den IS in der Form, es … Schwarzblende – „Die Realität hat mich überholt.“ weiterlesen

Schwarzblende. Warum das Buch verschoben wurde.

Das Buch ist fertig, ich jetzt allerdings auch. Und ich habe den Eindruck, dass ich diesmal sehr viel länger brauchen werde, um mich zu erholen, als sonst. Ich habe auch sehr viel länger zum Schreiben gebraucht, und sehr viel mehr umgeschrieben als sonst. Umgeschrieben, weil mich immer wieder die Realität eingeholt hat. Länger gebraucht, weil mich die Recherche doch mehr vereinnahmt hat, als ich vorher … Schwarzblende. Warum das Buch verschoben wurde. weiterlesen

Wandmedien, Handmedien: Willkommen im Insektenstaat

Ursprünglich veröffentlicht auf The Daily Frown:
Ein Brief Kaiser Hadrians an die Pergamener (137 n. Chr.), Pergamon-Museum Berlin Die Buchpreis-, Sexismus- und Literaturbetriebs-Debatten ließen die E-Book-Debatte zuletzt etwas in den Hintergrund geraten. Zu Unrecht! Gibt doch der Wallstein Verlag dem lodernden Feuer neuen Zunder, in Form eines Broschürleins, das sich namentlich der „Ästhetik des Buches“ widmet. Das ist ein wahrscheinlich zufällig, aber doch… Wandmedien, Handmedien: Willkommen im Insektenstaat weiterlesen