Schwarz, innen.

Ich kannte weder Chester Bennington noch Chris Cornell persönlich, aber dass sie nun tot sind, wie sie gestorben sind, macht mich extrem unglücklich. Ich kannte und mochte die frühen Texte von Linkin Park, diese brachialen, plakativen, als teenage angst belächelten Songs, die sie machten, bevor der große Hype sie in eine ganz andere Richtung führte und ich mir die Musik nicht mehr antun konnte. Ich … Schwarz, innen. weiterlesen

„Die Lieferantin“

Seit ein paar Tagen ist er nun lieferbar bzw. in der Buchhandlung erhältlich – mein neuer Roman. Mein siebzehnter, übrigens, und wer jetzt nachschaut: Es gibt ein paar, die sind unter einem anderen Namen erschienen, und dann gibt es noch welche, die sind unter einem noch ganz anderen Namen erschienen, unter einem so genannten geschlossenen Pseudonym. Aber es sind siebzehn, ich habe nachgezählt. „Die Lieferantin“ … „Die Lieferantin“ weiterlesen

Wir sind mehr!

Der Kassierer im Supermarkt hat gute Laune. Er plaudert mit seinem Kollegen, scherzt mit der Kundschaft. Der elegant gekleidete Mann, der als nächstes dran ist, legt noch eine Plastiktüte zu seinen Einkäufen aufs Band. Er kommt mir vage bekannt vor, vielleicht aus dem Fernsehen. Der Kassierer zieht seine Sachen über den Scanner und fragt: „Sicher, dass Ihnen eine Tüte reicht?“ Er fragt es freundlich. Der Mann antwortet: „Du quatschst zu viel.“ Er verwendet noch eine Beleidigung, die sich auf das dunklere Äußere des Kassierers bezieht.

Der Kassierer kontert: „Das war nett gemeint, und Sie beleidigen mich?“ Und der Mann verkündet: „Weißt du eigentlich, wer ich bin?“ Der Kassierer reagiert großartig: „Mir egal, wer Sie sind. Ich war höflich. Sie nicht.“ „Wir sind mehr!“ weiterlesen

Raum für alle

Am Piccadilly Circus ist es immer voll: Menschen wollen Shoppen oder ins Theater oder Feiern. Es ist dunkel und kalt und regnerisch, und während vergnügte Touristen an der Ampel warten, trottet ein Obdachloser, den Schlafsack über dem Kopf, an der Häuserwand entlang. Ein Polizist entdeckt ihn und schiebt sich durch die Menge auf ihn zu. Ich rechne mit allem, nur nicht damit, dass er sagt: … Raum für alle weiterlesen

Ein ganz normaler Abend

Eine Konferenz in London, ich bin nur Zaungast, nur Zufall, vor allem aber eine Frau, die lesend und essend zwischen vielen Männern herumsitzt, und weil Frauen offenbar nicht alleine lesen und essen können (viele Männer sitzen alleine lesend und essend herum), befinde ich mich schon bald in Gesellschaft, um die ich nicht gebeten habe. Dave und Paul sind sales managers. Sie sind wichtig und verantwortlich … Ein ganz normaler Abend weiterlesen

„Lasst uns unsere Geheimnisse!“

Die Berliner Zeitung bat mich, noch einmal etwas zum Thema Pseudonyme und Elena Ferrante zu schreiben. „Für manche Menschen ist mein Name nicht mein Name, weil ich früher einen anderen hatte. Ich mochte meinen Geburtsnamen allerdings nie, und ich stürzte mich vor zehn Jahren freudig auf die Möglichkeit, mir nicht nur selbst einen anderen aussuchen zu dürfen, sondern ihn auch gleich ernsthaft mit mir herumzutragen … „Lasst uns unsere Geheimnisse!“ weiterlesen

Was mir Angst macht

Die Abstimmung zum Brexit hat wieder schön gezeigt, dass Gefühle wichtiger sind als Fakten, wenn es darum geht, in der Politik Wahlen zu gewinnen. Bei den Unterstützern, den Fans, den Wählern von Donald Trump, bei den republikanischen Politikern, die sich auf seine Seite schlagen, geht es ebenfalls nicht um Tatsachen, sondern darum, wie sich gerade etwas anfühlt. In Deutschland werden diejenigen, die dazu aufrufen, sich auf Fakten, Statistiken, Tatsachen zu konzentrieren und nicht in Panik zu geraten, beschimpft, sie seien weltfremd, würden die Opfer verhöhnen, seien verblendet. Zynisch gar. „Was mir Angst macht“ weiterlesen

Anderen sagen, wie sie sich fühlen sollen.

Alltag: Eine junge Frau, die in einem männlich dominierten Umfeld arbeitet, weist ihre Kollegen auf eine sexistische Äußerung hin. Die finden das nicht schlimm, sie haben ja nur einen „Frauen sind soundso“-Spruch gemacht, soll sie sich mal nicht so aufregen.

Sie postet es in ihrem Social Media-Umfeld, und auch da geschieht, was in solchen Fällen zuverlässig immer geschieht: Man sagt ihr sie möge sich bitte nicht so aufregen, sei doch alles ganz harmlos.

„Sei nicht so hysterisch.“

„Sieh doch nicht immer alles so verbissen.“

„Entspann dich mal, mit sowas tust du dir keinen Gefallen.“

Wir sind nicht mehr weit von „Lächel doch mal, dann bist du viel hübscher“.

Auch von Frauen kommt oft genug so etwas wie „Also MIR macht das ja nichts aus“ oder „ICH bin schlagfertig genug, um darauf zu reagieren“ oder „Mit Männern komm ich gut klar, und die auch mit mir“ oder oder.

Wunderbar für jede einzelne, die klarkommt. Herzlichen Glückwunsch. Aber es ist ein bisschen so, wie wenn jemand sagt: „Ich bin noch nie ausgeraubt worden, deshalb gibt es kein Problem mit Raub.“ Und nicht nur das – im Grunde wird der Frau gesagt, dass sie diejenige mit dem Problem ist. Sie will nicht akzeptieren, wenn andere beleidigend sind, also stimmt etwas nicht mit ihr. „Anderen sagen, wie sie sich fühlen sollen.“ weiterlesen

„Schwul? Und das sagen Sie so offen?“

Ich unterhielt mich gerade mit einer älteren Dame, sie fragte nach XY, wie geht’s ihm, hat er eine Freundin, ich sagte: Nein, er hat einen Freund. Und sie sackte in sich zusammen. Ich meine – so richtig körperlich. Sie ließ die Einkaufstaschen fallen und hielt sich am nächsten Zaun fest. Das sagen Sie so offen?, fragte sie. Es wurde ein langes Gespräch, wir standen da bestimmt eine Stunde. Ihr ältester Sohn ist nämlich schwul. Er ist um die fünfzig, lebt seit über zehn Jahren mit einem Mann zusammen, seine Familie weiß es erst seit ein paar Jahren, und noch immer fragen sich seine Eltern: Was haben wir denn falsch gemacht? „„Schwul? Und das sagen Sie so offen?““ weiterlesen

Eine Liebeserklärung

Frau K. ist leider nicht im Internet. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sie schon achtzig ist. Sie hat einfach zu viel anderes zu tun, und vor allem redet sie nicht so viel über das, was sie tut. Sie macht einfach.

Frau K. war meine Nachbarin, jetzt ist sie ein paarhundert Meter die Straße raufgezogen und wohnt zwischen der Turnhalle und der Kirche. In der Turnhalle sind aus Syrien geflohene Familien untergebracht. In der Kirche sind Menschen, die ähnlich wie Frau K. nicht viel reden, sondern machen. Frau K. ist nun selbst nicht gerade gläubig, aber sie findet es gut, dass die von der Kirche das machen, was sie auch macht: helfen, ohne viel zu fragen.

Frau K. kümmert sich darum, dass ihr gesamter Freundeskreis den syrischen Familien hilft. Mit Sachspenden, mit Zeit, mit Kuchenbacken. Sie lacht, wenn sie sieht, wie sich die Männer aus der Unterkunft Berge von Kuchen auf die Teller packen, und wenn dann die anderen älteren Damen, die wie sie selbst die Nachkriegszeit miterlebt haben, mit den Zähnen knirschen, weil nicht alles aufgegessen wird. „Eine Liebeserklärung“ weiterlesen