#frauenzählen

Die Studienergebnisse zeigen, was viele Autorinnen bereits ahnten: Männer werden – auch in der Literaturkritik – offenbar ernster genommen. Warum das so ist, wird ebenfalls untersucht werden. Ein Blick auf die Leselisten an Schulen und Universitäten gibt bereits deutliche Hinweise: hier dominieren Autoren. Ebenso zeigt ein Durchblättern der Hardcoverprogramme renommierter Verlage ein Ungleichgewicht der Wertigkeiten. Ich wünsche mir, dass die Sichtbarmachung dieses Ungleichgewichts zu einem … #frauenzählen weiterlesen

Sexismus, jeden Tag

Mir scheint, es gibt da ein Missverständnis. Sexismus ist nicht dasselbe wie sexuelle Belästigung oder sexualisierte Gewalt. Diese Dinge sind Teil des Sexismusproblems, aber noch längst nicht alles. Sexismus ist eine auf das biologische Geschlecht (lat. sexus) einer Person abzielende Form der Diskriminierung, kurz zusammengefasst. Diese Diskriminierung äußert sich auch, aber nicht nur, durch sexuelle oder sexualisierte Handlungen oder Aussagen. Klar die rote Linie überschritten … Sexismus, jeden Tag weiterlesen

Unsichtbare Frauen über 40 mit Kleidergrößen über 40, oder: Warum wir unsere Gewohnheiten ändern müssen

Ursprünglich veröffentlicht auf Herland:
von Zoë Beck Natürlich ist es nichts Neues, was in der von Maria Furtwängler beauftragten Studie herausgekommen ist. Am Theater hatte ich vor zwanzig Jahren mit Schauspielerinnen zu tun, die genau das sagten: Gute Rollen gibt es nur für Männer, und ab dreißig wird’s für Frauen düster. Jetzt höre ich es seit über zehn Jahren von den Sprecherinnen im… Unsichtbare Frauen über 40 mit Kleidergrößen über 40, oder: Warum wir unsere Gewohnheiten ändern müssen weiterlesen

Die eigene Stimme

Die BücherFrauen Berlin organisierten letztens einen Stimm-Coaching-Workshop. Eine kleine Gruppe, ausschließlich Frauen, fand sich für ein Wochenende zusammen und nahm – wie ich hoffe – Wissen, Anregungen und nachhaltige Übungen mit. Ich hatte zu diesem Workshop angeregt, weil ich am Weltfrauentag im letzten Jahr bei einer Veranstaltung der Speakerinnen viele interessante Frauen kennenlernen durfte. Auf der Bühne sowieso, aber auch abseits der Bühne. Diese Frauen … Die eigene Stimme weiterlesen

Anderen sagen, wie sie sich fühlen sollen.

Alltag: Eine junge Frau, die in einem männlich dominierten Umfeld arbeitet, weist ihre Kollegen auf eine sexistische Äußerung hin. Die finden das nicht schlimm, sie haben ja nur einen „Frauen sind soundso“-Spruch gemacht, soll sie sich mal nicht so aufregen.

Sie postet es in ihrem Social Media-Umfeld, und auch da geschieht, was in solchen Fällen zuverlässig immer geschieht: Man sagt ihr sie möge sich bitte nicht so aufregen, sei doch alles ganz harmlos.

„Sei nicht so hysterisch.“

„Sieh doch nicht immer alles so verbissen.“

„Entspann dich mal, mit sowas tust du dir keinen Gefallen.“

Wir sind nicht mehr weit von „Lächel doch mal, dann bist du viel hübscher“.

Auch von Frauen kommt oft genug so etwas wie „Also MIR macht das ja nichts aus“ oder „ICH bin schlagfertig genug, um darauf zu reagieren“ oder „Mit Männern komm ich gut klar, und die auch mit mir“ oder oder.

Wunderbar für jede einzelne, die klarkommt. Herzlichen Glückwunsch. Aber es ist ein bisschen so, wie wenn jemand sagt: „Ich bin noch nie ausgeraubt worden, deshalb gibt es kein Problem mit Raub.“ Und nicht nur das – im Grunde wird der Frau gesagt, dass sie diejenige mit dem Problem ist. Sie will nicht akzeptieren, wenn andere beleidigend sind, also stimmt etwas nicht mit ihr. „Anderen sagen, wie sie sich fühlen sollen.“ weiterlesen

„Schwul? Und das sagen Sie so offen?“

Ich unterhielt mich gerade mit einer älteren Dame, sie fragte nach XY, wie geht’s ihm, hat er eine Freundin, ich sagte: Nein, er hat einen Freund. Und sie sackte in sich zusammen. Ich meine – so richtig körperlich. Sie ließ die Einkaufstaschen fallen und hielt sich am nächsten Zaun fest. Das sagen Sie so offen?, fragte sie. Es wurde ein langes Gespräch, wir standen da bestimmt eine Stunde. Ihr ältester Sohn ist nämlich schwul. Er ist um die fünfzig, lebt seit über zehn Jahren mit einem Mann zusammen, seine Familie weiß es erst seit ein paar Jahren, und noch immer fragen sich seine Eltern: Was haben wir denn falsch gemacht? „„Schwul? Und das sagen Sie so offen?““ weiterlesen

Die Welt spiegeln – die Welt verändern #lar16

Ich fasse hier noch mal ungefähr zusammen, worüber ich bei der Leipziger Autorenrunde 2016 gesprochen habe. (Und wenn ich daran denke, wie das Geschlechterverhältnis dort in den vergangenen Jahren war, frage ich mich, warum es nicht Leipziger Autorinnenrunde heißt?)

 

Autor*innen erzählen oft sehr viel mehr, als ihnen möglicherweise bewusst ist. Jede Geschichte bildet eine erzählerische Wirklichkeit ab, und die Autor*innen setzen diese. Vieles davon geschieht bewusst, vieles unbewusst. IMG_20130128_193245Nicht selten werden diese Wirklichkeiten in den Geschichten auch sehr bewusst von den Verlagen gesetzt, indem beispielsweise in Richtlinien für gewisse Romanreihen (z.B. Heftchenromane und deren Nachfolge) genau vorgegeben ist, welches Alter die Protagonist*innen haben sollen, welche Berufe erwünscht sind und welche nicht, dass der Mann beruflich und sozial über der Frau zu stehen hat, bis hin zu Warnhinweisen, dass bestimmte Nationalitäten, Hautfarben, Religionszugehörigkeiten etc. nicht erwünscht sind. Alles im Namen der Lesenden, oder im Namen des Marktes, der Verkäuflichkeit, will sagen: Möge sich bloß niemand an etwas Fremdartigem stoßen, sollen alle bitteschön beim Lesen unfallfrei über die Buchstaben segeln.

IMG_20130413_225224Dadurch werden bestimmte Gesellschaftsbilder, Verhaltensweisen, Meinungen usw. gesetzt, verfestigt, behauptet. „Die Welt spiegeln – die Welt verändern #lar16“ weiterlesen

Den Speakerinnen zum 2. Geburtstag

Am 8.3.2016 feierten die Speakerinnen ihren zweiten Geburtstag im Tazcafé. Ich durfte auch eine kleine Geburtstagsrede halten. Hier der Text:

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Ich habe vor zwanzig Jahren verstanden, warum es damals mit mir und der Bühne nicht geklappt hat. Ein paar klassische Musiker (alle männlich) und ich unterhielten uns darüber, warum es so wenige bekannte Pianistinnen gab.

„Weil man da keine Frauen braucht“, sagte einer. „Frauen braucht man nur zum Singen.” Er meinte das gar nicht böse. Er stellte im Grunde nur fest.

„Martha Argerich“, sagte ich.

„Die spielt ja auch wie drei Männer“, sagte ein anderer.

Ich denke, damit ist über den Bereich der klassischen Musik und dem Verhältnis zu Frauen schon ungefähr alles gesagt. „Den Speakerinnen zum 2. Geburtstag“ weiterlesen

Das Märchen vom anekdotischen Einzelfall

Es gibt Ereignisse in meinem Leben, über die ich nur ungern spreche. Ich werde auch heute nicht darüber sprechen, es reicht mir, dass ich seit über zwanzig Jahren mit der Erinnerung daran leben muss. Der erste Vorfall war übrigens auch in einer Silvesternacht, und ich gehöre zu den Frauen, die fragen müssen, warum sich so viele Menschen Anfang Januar 2016 für härtere Strafen bei sexualisierter Gewalt einsetzen, die sich vorher nicht wirklich für das Thema interessierten. Damit gehöre ich auch gleich zu den Frauen, denen man vorwerfen wird, die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht instrumentalisieren zu wollen. Oder kleinreden zu wollen. Nichts davon trifft zu.

Mir wurde in den letzten Tagen von mir unbekannten Menschen – in der Hauptsache von Männern – vorgeworfen, ich wüsste wohl nicht, wie sich die Frauen in Köln gefühlt haben. Es folgte nicht selten der Wunsch, mir möge so etwas doch auch mal zustoßen. Wie erwähnt ist es das bereits, in unterschiedlicher Form zu unterschiedlichen Gelegenheiten (wenn auch fast ausschließlich von deutschen Männern), und ich wünsche es weder mir, noch anderen Menschen, gleichzeitig weiß ich aber, dass es ständig irgendwo passiert. „Das Märchen vom anekdotischen Einzelfall“ weiterlesen

Grundrauschen

Dieser Mann letztens im Zug. Wie froh er war, einen Sitzplatz im Abteil zu bekommen, in dem auch ich gestrandet war. Seine Reisegruppe hatte er verloren, aber ach, er wusste ja, wohin es ging, es war die Heimreise, es würde alles gut gehen.

Eigentlich wollte sich außer ihm niemand unterhalten, aber das störte ihn nicht. An niemanden im Besonderen gerichtet erzählte er von seinem Aufenthalt in Berlin, von seinem Haus im Taunus, und früher hatte er wohl mal irgendwas mit viel Reisen gemacht. Ein Treffen mit Seehofer, sagte er, sei der Wendepunkt seines Lebens gewesen. Er meinte das durchaus positiv. Er wusste auch, dass die Welt, im Speziellen Deutschland, daran krankt, dass Frauen zu viel Karriere wollen. Junge Frauen seien einfach nicht mehr bereit, die grundlegendsten Dinge im Leben zu lernen. Kochen und Backen, Nähen und Stricken. Wo solle das noch hinführen. Ich schlug vor, junge Männer könnten dies genauso gut lernen, bei Bedarf oder Interesse. Fand er nicht gut. Obwohl Kochen für Männer ein respektabler Beruf sein. Aber nicht als Alltagsbeschäftigung. Um es kürzer zu gestalten: Er leugnete rundweg historische Fakten, was Frauenrechte anging, er bestand darauf, dass Frauen, die arbeiten, Familien zerstören, er sprach davon, Männer, die sich um die Erziehung der Kinder kümmerten – es sei denn beratend oder mal am Wochenende – seien aus der Art geraten, er fand keineswegs, dass Frauen dieselben Gehälter für dieselbe Arbeit verdienten wie Männer, weil Frauen einfach nicht so gut seien wie Männer. Der Wille der Frauen, doch zu arbeiten, am Ende noch „Karriere“ zu machen, vielleicht sogar mehr zu verdienen als ein Mann, das erschien ihm widernatürlich. Volkszersetzend geradezu. „Grundrauschen“ weiterlesen