Gefährliche junge Männer

Ich habe in einer Stadt gewohnt, in der viele Gastarbeiter lebten. Deren Kinder und ich, wir gingen in dieselben Schulen. Manche von ihnen waren sehr gute Schüler*innen und machten Abitur. Andere waren nicht so gut. Manche waren Mathegenies. Super im Sportunterricht. Prima in Englisch und Französisch. Es gab keine Regel, wie Gastarbeiterkinder im Allgemeinen so waren. Es gab Klassensprecher*innen, deren Eltern kamen aus der Türkei, … Gefährliche junge Männer weiterlesen

„Und wenn du einfach unter einem Männernamen schreibst?“

Gerade ging wieder durch die Presse, dass eine Frau ihr Manuskript unter männlichem Pseudonym einreichte und sehr viel positivere Rückmeldungen bekam als unter ihrem echten Namen/Geschlecht.

Seitdem schreiben mir erstaunlich viele Menschen, ob ich das denn selbst schon mal ausprobiert hätte. Oder ob ich das denn nicht mal machen möchte. Außerdem: Ein männliches Pseudonym würde doch viel besser zu meinen Büchern passen, nein?

Ich bekomme seit Jahren gesagt, ich würde zu „unweiblich“ schreiben. Zu kühl, zu sachlich, die Figuren seien nichts, womit sich Frauen identifizieren könnten. (Gesellschafts-)politische Hintergründe würden gerade das weibliche Lesepublikum überfordern bzw. abschrecken. Als Frau wolle man beim Lesen abschalten und sich nicht mit Problemen auseinandersetzen. Einige Männer, mit denen ich beruflich zu tun hatte, rieten mir zu „ansprechenderen“ Fotos, zu einem „weiblicheren“ Auftreten, einer „zugänglicheren“ Attitüde (ich sei “zu spröde für die Branche”), nicht zuletzt auch zu Themen, mit denen ich mich „besser auskenne“. Letzteres traf mich wirklich. Ich recherchiere genauso wie die männlichen Kollegen. Ich habe genauso meine Kontakte, meine Prüfinstanzen, ich gehe genauso Risiken bei den Recherchen ein. Aber ich als Frau habe offenbar trotzdem nicht den Zugang zu gewissen Themen. Weil ich mich qua Geschlecht damit nicht auskennen kann. „„Und wenn du einfach unter einem Männernamen schreibst?““ weiterlesen

Von unerwünschten Frauenfiguren im Literaturbetrieb: Die emanzipierte Muslimin. Ein Erfahrungsbericht von Safeta Obhodjas

Ursprünglich veröffentlicht auf CulturBooks:
Die bosnische Exilautorin Safeta Obhodjas stößt im deutschen Kulturbetrieb auf Vorurteile und Unverständnis. Sie soll die Geschichten über das, was sie erlebt hat, den Marktgepflogenheiten anpassen. Vor allem unerwünscht sind ihre selbstbestimmten muslimischen Frauenfiguren.  Bei CulturBooks ist der Roman „Die Bauchtänzerin“ von Safeta Obhodjas erschienen, die Geschichte der jungen, talentierten Schneiderin und Designerin Vildana. Sie ist eine Muslimin unter… Von unerwünschten Frauenfiguren im Literaturbetrieb: Die emanzipierte Muslimin. Ein Erfahrungsbericht von Safeta Obhodjas weiterlesen

Frauen und ihre Literatur.

(Artikel für: Publik Forum, Dezember 2014) Es ist erst wenige Jahrzehnte her, da hatte der Begriff Frauenliteratur den Klang von Gleichberechtigung und politischem Aktivismus. In dieser Zeit gab es in vielen Städten Frauenbuchhandlungen. Viele öffneten sich im Laufe der Zeit einem breiter interessierten Publikum, sehr viele mussten trotzdem schließen. Weil viele Buchhandlungen schließen mussten. Aber auch, weil etwas mit dem Begriff Frauenliteratur passiert war: Was … Frauen und ihre Literatur. weiterlesen

Flurschaden

Ob es mir nicht schaden könnte, in diesem Kontext namentlich genannt zu werden?, fragt man mich. Oh, mit Sicherheit. Und was ist die Alternative? Dieser Absatz hier – da kann ich überall ein Häkchen machen: Sobald es in Romanen weiblicher Autoren um Beziehungen oder Liebe geht, platzieren Kritiker sie in die Kitschecke, während ein männlicher Kollege mit denselben Themen als einfühlsam gilt. Geht es um menschliche Abgründe, um … Flurschaden weiterlesen

Kindchen.

Letztens war ich im Kongress-Stress. Ich hatte bereits einige Diskussionsrunden hinter mir, durchweg mit dem Grundton „Früher war alles besser“. Sie wurden in der Mehrzahl dominiert von älteren Herren, die das Internet und die Digitalisierung in der Buchbranche für eine flüchtige, dennoch ärgerliche Modeerscheinung halten. Kein Wunder, dass ich mit Begeisterung zu einer davon unabhängigen Abendveranstaltung eilte, bei der ich garantiert keinem dieser Herren über … Kindchen. weiterlesen

„Ich will doch nur eine Geschichte erzählen …“

Im Moment geistern mal wieder diverse Reihenkonzepte heimlich durch die virtuelle Landschaft. Man kennt solche Konzepte vom TV, wenn zum Beispiel neue Autorinnen für eine bereits laufende Serie oder Reihe gebrieft werden oder eine neue Serie eben im Entstehen ist und sich Produzentin, Redakteur und andere beteiligte Menschen bereits einiges an Gedanken gemacht haben, um die Autoren einzunorden. Die Konzepte kennt man auch aus dem … „Ich will doch nur eine Geschichte erzählen …“ weiterlesen

„… und zieh was Hübsches an.“

Heute habe ich interessante Post bekommen. Ich meine, ich bekomme ja ständig einfach mal so Facebooknachrichten von Menschen, die ich nicht kenne. Meistens ist es nette Post. Heute postete ich, wie so oft, Links aus dem Themenbereich Feminismus, und es geschah, was dann immer geschieht. Es kamen Nachrichten, in denen ich gefragt wurde, ob ich – Angst vor Männern habe, – Männer hasse, – mit … „… und zieh was Hübsches an.“ weiterlesen

Denise Mina: Der letzte Wille

Glasgow, 1990. Die junge Journalistin Paddy Meehan bekommt Besuch von der Polizei, und sie weiß sofort, dass man ihr eine Todesnachricht überbringen wird. Doch anders als befürchtet handelt es sich nicht um einen nahen Verwandten, sondern um ihren Exfreund, den Auslandskorrespondenten Terry Hewitt. Der wurde nackt und erschossen an einer einsamen Straße außerhalb von Glasgow gefunden. Erste Gerüchte kursieren unter den Polizisten, die IRA stecke … Denise Mina: Der letzte Wille weiterlesen