Frauen sind jung, Männer erklären die Welt

(zuerst erschienen in Publik Forum 12/2017) Eine breit angelegte Studie hat untersucht, welche Rolle Frauen in Film und Fernsehen spielen. Das Ergebnis ist bestürzend Von Zoë Beck Männer sind mit über vierzig erst so richtig interessant, heißt es. Und was sind Frauen über vierzig? Alt. Weibliche Filmstars jedenfalls beklagen schon immer, dass es für sie ab diesem Alter kaum große Rollen gibt. Meryl Streep bekam … Frauen sind jung, Männer erklären die Welt weiterlesen

Die ganze Welt auf einem Spielplatz

Das Wetter kann sich noch nicht entscheiden zwischen Hagel, Kälte, Sonne, alle Jahreszeiten sind in der Woche dran, manchmal auch an einem Tag. Trotzdem dürften jetzt wieder alle Autos mit Sommerreifen ausgestattet sein. Die Bäume grünen zart, und es ist abends länger hell. Auf dem Mehrgenerationenspielplatz kämpfen ein paar Jungs aus Afghanistan und Syrien ausdauernd an der Tischtennisplatte. Sie verhauen fast jeden Ball und rennen … Die ganze Welt auf einem Spielplatz weiterlesen

Wir sind mehr!

Der Kassierer im Supermarkt hat gute Laune. Er plaudert mit seinem Kollegen, scherzt mit der Kundschaft. Der elegant gekleidete Mann, der als nächstes dran ist, legt noch eine Plastiktüte zu seinen Einkäufen aufs Band. Er kommt mir vage bekannt vor, vielleicht aus dem Fernsehen. Der Kassierer zieht seine Sachen über den Scanner und fragt: „Sicher, dass Ihnen eine Tüte reicht?“ Er fragt es freundlich. Der Mann antwortet: „Du quatschst zu viel.“ Er verwendet noch eine Beleidigung, die sich auf das dunklere Äußere des Kassierers bezieht.

Der Kassierer kontert: „Das war nett gemeint, und Sie beleidigen mich?“ Und der Mann verkündet: „Weißt du eigentlich, wer ich bin?“ Der Kassierer reagiert großartig: „Mir egal, wer Sie sind. Ich war höflich. Sie nicht.“ „Wir sind mehr!“ weiterlesen

Raum für alle

Am Piccadilly Circus ist es immer voll: Menschen wollen Shoppen oder ins Theater oder Feiern. Es ist dunkel und kalt und regnerisch, und während vergnügte Touristen an der Ampel warten, trottet ein Obdachloser, den Schlafsack über dem Kopf, an der Häuserwand entlang. Ein Polizist entdeckt ihn und schiebt sich durch die Menge auf ihn zu. Ich rechne mit allem, nur nicht damit, dass er sagt: … Raum für alle weiterlesen

Leben ohne Träume

(Dieser Text entstand ursprünglich für die Salzburger Straßenzeitung „Apropos“. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus werden Schriftsteller*innen gebeten, sich mit Verkäufer*innen zu treffen und sie zu porträtieren. Ich traf Gabriela im Oktober 2014.) Zu den Dingen, die man einer jungen Frau Anfang zwanzig wünscht, gehört vor allem: Träume zu haben. Gabriela hat keine Träume. Sie hat zwei Kinder, die bei ihrer Mutter in Rumänien leben, während sie selbst … Leben ohne Träume weiterlesen

Die (un-)sichtbaren eBooks

Nach einem Jahr CulturBooks und über fünfzig Veröffentlichungen können Jan Karsten und ich glücklich sagen, dass wir eine Menge erreicht haben. Und eine Menge gelernt. Zum Beispiel, dass der stationäre Buchhandel vor allem auch deshalb nicht so gern eBooks verkaufen möchte, weil die einzelne Buchhandlung daran nur 12% (statt sonst ca. 40%) Rabatt hat, dafür aber nicht nur inhaltliche Beratung, sondern häufig auch technischen Support leisten … Die (un-)sichtbaren eBooks weiterlesen

Kindchen.

Letztens war ich im Kongress-Stress. Ich hatte bereits einige Diskussionsrunden hinter mir, durchweg mit dem Grundton „Früher war alles besser“. Sie wurden in der Mehrzahl dominiert von älteren Herren, die das Internet und die Digitalisierung in der Buchbranche für eine flüchtige, dennoch ärgerliche Modeerscheinung halten. Kein Wunder, dass ich mit Begeisterung zu einer davon unabhängigen Abendveranstaltung eilte, bei der ich garantiert keinem dieser Herren über … Kindchen. weiterlesen

Ode an Rosita

Es gibt in meinem Leben einen Menschen, der mir zuverlässig zur Seite steht und ohne den ich oft nicht weiterwüsste. Dieser Mensch ist mir sehr wichtig und kommt in der Liste der wichtigsten Menschen noch vor meiner Agentin und meiner Buchhalterin und steht damit auf Platz 1. Ich rede von Rosita, der Haushaltshilfe. Am liebsten ist es ihr, wenn man sie als Perle bezeichnet. Seit … Ode an Rosita weiterlesen

Das Sofa.

Als mein Onkel aus Deutschland wegzog, veranstaltete er eine Party, oder eher ein großes Sommerfest mit Spanferkel und anderen exotischen Speisen, die er bald nicht mehr so leicht bekommen würde. Die meisten seiner Habseligkeiten waren zu dem Zeitpunkt schon verpackt, die Möbel standen abholbereit, in der Garage waren große Kisten mit Kram, den er loswerden wollte. Meine Tante lud meinen Käfer mit Büchern voll, die … Das Sofa. weiterlesen

Ein Hoch auf die Literatur.

Diese Radisch/Lewitscharoff/Literaturmesslattetieferhängenweilkrimi-Diskussion erinnert mich natürlich auch an ein Gespräch, das ich vor nicht allzu langer Zeit mit einem Verlagsprogrammleiter hatte, der mir so nebenbei erklärte: Wenn Sie mal echte Literatur schreiben wollen, geht das natürlich nicht unter Ihrem Namen. Der steht ja für dieses Krimizeugs. Damit können Sie keine richtigen Romane schreiben. An dem Abend war ich gut genug gelaunt, so dass ich keine Diskussion angefangen, sondern nur gelacht … Ein Hoch auf die Literatur. weiterlesen