Das Sofa.

Als mein Onkel aus Deutschland wegzog, veranstaltete er eine Party, oder eher ein großes Sommerfest mit Spanferkel und anderen exotischen Speisen, die er bald nicht mehr so leicht bekommen würde. Die meisten seiner Habseligkeiten waren zu dem Zeitpunkt schon verpackt, die Möbel standen abholbereit, in der Garage waren große Kisten mit Kram, den er loswerden wollte. Meine Tante lud meinen Käfer mit Büchern voll, die … Das Sofa. weiterlesen

Ein Hoch auf die Literatur.

Diese Radisch/Lewitscharoff/Literaturmesslattetieferhängenweilkrimi-Diskussion erinnert mich natürlich auch an ein Gespräch, das ich vor nicht allzu langer Zeit mit einem Verlagsprogrammleiter hatte, der mir so nebenbei erklärte: Wenn Sie mal echte Literatur schreiben wollen, geht das natürlich nicht unter Ihrem Namen. Der steht ja für dieses Krimizeugs. Damit können Sie keine richtigen Romane schreiben. An dem Abend war ich gut genug gelaunt, so dass ich keine Diskussion angefangen, sondern nur gelacht … Ein Hoch auf die Literatur. weiterlesen

Friedhofsmoden

Ich weiß noch genau, wie es war, wenn ich als Kind mit meiner Großmutter auf den Friedhof gegangen bin. Ich war gern auf dem Friedhof und sah mir die Gräber an. Die unterschiedlichen Grabsteine. Die fremden Namen. Die sorgfältige Bepflanzung. Besonders schön fand ich nicht die Gräber mit den ordentlichen Blumenreihen, sondern jene mit Efeu und anderem schlecht kontrollierbarem Bewuchs. Ich mochte die Stille und … Friedhofsmoden weiterlesen

Wolfgang hat Geburtstag.

Wolfgang hat Geburtstag. Eine angetrunkene Gesellschaft singt jedenfalls in der Bar eines Stuttgarter Kongresshotels lautstark ein Happy Birthday, lieber Wolfgang auf ihn. Wolfgang ist offensichtlich zusammen mit seinen Kollegen und ein paar Kolleginnen anlässlich einer Tagung in diesem Hotel. Wolfgang ist die Sorte schmächtiger Mittfünfziger mit Halbglatze und ohne Kinn. Dunkler Anzug und dezente Nickelbrille. Anzug und Auftreten nach ist er ungefähr Abteilungsleiter. Mittleres Management. … Wolfgang hat Geburtstag. weiterlesen

Nachbarn, unbekannte

Es ist gar nicht so lange her, da fiel mir Herr Riese vor die Füße. Herr Riese ist ein älterer Herr, der ein paar Straßen weiterwohnt und den ich vorher noch gar nicht kannte. Er stand an einer dieser engen, vollgeparkten Kreuzungen in der Dunkelheit. Die Berliner Straßenbeleuchtung, auch und besonders abseits der Hauptverkehrsstraßen, zeichnet sich durch bemerkenswerte Schummrigkeit aus. Das abgestrahlte Licht erreicht mit … Nachbarn, unbekannte weiterlesen

Am Dienstag in der Sendung LiteraturEN …

Am Dienstag in der Sendung LiteraturEN auf SWR2, diesmal mit einem noch unveröffentlichten Text von Katja Oskamp. Anette Selg porträtiert den isländischen Schriftsteller Pétur Gunnarsson (wir veröffentlichen einige seiner Werke im eBook bei CulturBooks!). Thomas Franke berichtet über junge Autoren in Russland unter dem Thema: „Befreit vom Ballast der Sowjetunion“. Und am Ende der Sendung: meine Kolumne.  Viel Spaß! Am Dienstag in der Sendung LiteraturEN … weiterlesen

Das nie endende Bücher-Knigge-Thema: Wie viel vom Buch man lesen muss.

Darf man ein Buch nicht zu Ende lesen? Und wenn ja, ab wann darf man entscheiden, dass es sich nicht lohnt weiterzulesen? Nach fünfzig Seiten, nach hundert, nach der Hälfte des Buchs? Ich sage: nach der ersten Seite. Wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller sollten schließlich wissen, wie wichtig der erste Satz, die erste Seite ist. Und wenn wir es da schon schaffen, die Lesewilligen zu verlieren, … Das nie endende Bücher-Knigge-Thema: Wie viel vom Buch man lesen muss. weiterlesen

Der Musikant

(Kolumne für die Sendung LiteraturEN auf SWR2) Mein neuer Nachbar. Er ist gar nicht mehr so neu, eigentlich. Immerhin wohnt er schon über ein Jahr unter mir. Aber ich habe ihn noch nie gesehen. Sonst kennen sich im Haus alle, nur ihn kennt tatsächlich niemand. Ihn nie zu sehen, wäre gar nicht mal so schlimm, wenn ich ihn nicht dauernd hören würde. Mein neuer Nachbar … Der Musikant weiterlesen

Bahnfahren, irgendwann mal im August.

Letztens so. Ich wollte nur mit dem ICE von Düsseldorf nach Berlin, was eigentlich ganz gut geht, theoretisch. Man steigt ein, arbeitet oder liest gute fünf Stunden, isst was, trinkt was, geht aufs Klo, steigt wieder aus und ist da. Ich aber darf nicht mal einsteigen, weil man mir sagt, dass der Zug überfüllt ist und ich keine Reservierung habe. Es ist Samstag, ich bin … Bahnfahren, irgendwann mal im August. weiterlesen