„Die Lieferantin“

Seit ein paar Tagen ist er nun lieferbar bzw. in der Buchhandlung erhältlich – mein neuer Roman. Mein siebzehnter, übrigens, und wer jetzt nachschaut: Es gibt ein paar, die sind unter einem anderen Namen erschienen, und dann gibt es noch welche, die sind unter einem noch ganz anderen Namen erschienen, unter einem so genannten geschlossenen Pseudonym. Aber es sind siebzehn, ich habe nachgezählt. „Die Lieferantin“ … „Die Lieferantin“ weiterlesen

2017

Zurückblicken macht gerade sehr wenig Freude, und alles, was mir zum Thema Ausblick auf 2017 einfällt, ist: weitermachen. Einstehen für eine offene, friedliche, bunte Gesellschaft.  Es sieht so aus, als würde das im nächsten Jahr nicht unbedingt leichter werden. Dafür aber umso wichtiger. Ich arbeite am nächsten Roman, er soll im Juni erscheinen. Passt auf Euch auf, habt ein paar ruhige Tage, kommt gut ins neues … 2017 weiterlesen

„Lasst uns unsere Geheimnisse!“

Die Berliner Zeitung bat mich, noch einmal etwas zum Thema Pseudonyme und Elena Ferrante zu schreiben. „Für manche Menschen ist mein Name nicht mein Name, weil ich früher einen anderen hatte. Ich mochte meinen Geburtsnamen allerdings nie, und ich stürzte mich vor zehn Jahren freudig auf die Möglichkeit, mir nicht nur selbst einen anderen aussuchen zu dürfen, sondern ihn auch gleich ernsthaft mit mir herumzutragen … „Lasst uns unsere Geheimnisse!“ weiterlesen

Tod eines Pseudonyms

Eine englische Freundin erzählte mir vor einem halben Jahr begeistert von einer italienischen Autorin, die unter Pseudonym publizierte und großen Erfolg in Großbritannien hatte. Einen Überraschungserfolg. Sie wurde rauf und runter gefeiert, aber an zwei Dingen störte sich meine Freundin: Erstens fand sie, dass die Covergestaltung dem Buch nicht wirklich gerecht wurde, aber damit müssten schreibende Frauen nun mal häufig genug leben. Zweitens war sie schrecklich davon genervt, dass im Zuge der Spekulationen darüber, wer hinter dem geschlossenen Pseudonym wohl stecken könne, Stimmen laut wurden, die die Meinung vertraten, der Roman müsse von einem Mann geschrieben worden sein, er sei – auch sprachlich – einfach zu gut. Mal abgesehen davon, dass es sich um die Sprache der Übersetzerin handelte, die angeblich zu gut für einen von einer Frau geschriebenen Roman war – die Diskussionen, dass nur Männer literarisch anspruchsvoll schreiben und Frauen es mehr so mit adjektivlastigen Genreschnulzen haben, ist so unglaublich ermüdend, aber sie stirbt einfach nicht weg. „Tod eines Pseudonyms“ weiterlesen

Die Welt spiegeln – die Welt verändern #lar16

Ich fasse hier noch mal ungefähr zusammen, worüber ich bei der Leipziger Autorenrunde 2016 gesprochen habe. (Und wenn ich daran denke, wie das Geschlechterverhältnis dort in den vergangenen Jahren war, frage ich mich, warum es nicht Leipziger Autorinnenrunde heißt?)

 

Autor*innen erzählen oft sehr viel mehr, als ihnen möglicherweise bewusst ist. Jede Geschichte bildet eine erzählerische Wirklichkeit ab, und die Autor*innen setzen diese. Vieles davon geschieht bewusst, vieles unbewusst. IMG_20130128_193245Nicht selten werden diese Wirklichkeiten in den Geschichten auch sehr bewusst von den Verlagen gesetzt, indem beispielsweise in Richtlinien für gewisse Romanreihen (z.B. Heftchenromane und deren Nachfolge) genau vorgegeben ist, welches Alter die Protagonist*innen haben sollen, welche Berufe erwünscht sind und welche nicht, dass der Mann beruflich und sozial über der Frau zu stehen hat, bis hin zu Warnhinweisen, dass bestimmte Nationalitäten, Hautfarben, Religionszugehörigkeiten etc. nicht erwünscht sind. Alles im Namen der Lesenden, oder im Namen des Marktes, der Verkäuflichkeit, will sagen: Möge sich bloß niemand an etwas Fremdartigem stoßen, sollen alle bitteschön beim Lesen unfallfrei über die Buchstaben segeln.

IMG_20130413_225224Dadurch werden bestimmte Gesellschaftsbilder, Verhaltensweisen, Meinungen usw. gesetzt, verfestigt, behauptet. „Die Welt spiegeln – die Welt verändern #lar16“ weiterlesen

„Und wenn du einfach unter einem Männernamen schreibst?“

Gerade ging wieder durch die Presse, dass eine Frau ihr Manuskript unter männlichem Pseudonym einreichte und sehr viel positivere Rückmeldungen bekam als unter ihrem echten Namen/Geschlecht.

Seitdem schreiben mir erstaunlich viele Menschen, ob ich das denn selbst schon mal ausprobiert hätte. Oder ob ich das denn nicht mal machen möchte. Außerdem: Ein männliches Pseudonym würde doch viel besser zu meinen Büchern passen, nein?

Ich bekomme seit Jahren gesagt, ich würde zu „unweiblich“ schreiben. Zu kühl, zu sachlich, die Figuren seien nichts, womit sich Frauen identifizieren könnten. (Gesellschafts-)politische Hintergründe würden gerade das weibliche Lesepublikum überfordern bzw. abschrecken. Als Frau wolle man beim Lesen abschalten und sich nicht mit Problemen auseinandersetzen. Einige Männer, mit denen ich beruflich zu tun hatte, rieten mir zu „ansprechenderen“ Fotos, zu einem „weiblicheren“ Auftreten, einer „zugänglicheren“ Attitüde (ich sei “zu spröde für die Branche”), nicht zuletzt auch zu Themen, mit denen ich mich „besser auskenne“. Letzteres traf mich wirklich. Ich recherchiere genauso wie die männlichen Kollegen. Ich habe genauso meine Kontakte, meine Prüfinstanzen, ich gehe genauso Risiken bei den Recherchen ein. Aber ich als Frau habe offenbar trotzdem nicht den Zugang zu gewissen Themen. Weil ich mich qua Geschlecht damit nicht auskennen kann. „„Und wenn du einfach unter einem Männernamen schreibst?““ weiterlesen

Von unerwünschten Frauenfiguren im Literaturbetrieb: Die emanzipierte Muslimin. Ein Erfahrungsbericht von Safeta Obhodjas

Ursprünglich veröffentlicht auf CulturBooks:
Die bosnische Exilautorin Safeta Obhodjas stößt im deutschen Kulturbetrieb auf Vorurteile und Unverständnis. Sie soll die Geschichten über das, was sie erlebt hat, den Marktgepflogenheiten anpassen. Vor allem unerwünscht sind ihre selbstbestimmten muslimischen Frauenfiguren.  Bei CulturBooks ist der Roman „Die Bauchtänzerin“ von Safeta Obhodjas erschienen, die Geschichte der jungen, talentierten Schneiderin und Designerin Vildana. Sie ist eine Muslimin unter… Von unerwünschten Frauenfiguren im Literaturbetrieb: Die emanzipierte Muslimin. Ein Erfahrungsbericht von Safeta Obhodjas weiterlesen